Harnwegsinfektionen gehören zu den häufigsten bakteriellen Infektionen und betreffen hauptsächlich die Harnblase (Zystitis) oder Harnröhre (Urethritis). Verursacht werden sie meist durch Darmbakterien wie E. coli, die über die Harnröhre in den Harntrakt aufsteigen. Frauen sind aufgrund ihrer kürzeren Harnröhre häufiger betroffen als Männer. Begünstigende Faktoren sind unzureichende Hygiene, Geschlechtsverkehr, Schwangerschaft oder ein geschwächtes Immunsystem.
Die medikamentöse Behandlung erfolgt gezielt mit verschiedenen Antibiotika. Fosfomycin (Monuril) wird oft als Einmaltherapie eingesetzt und wirkt besonders effektiv gegen E. coli-Bakterien. Nitrofurantoin (Furadantin) eignet sich gut für unkomplizierte Blasenentzündungen und wird meist über 5-7 Tage eingenommen. Trimethoprim-Sulfamethoxazol (Cotrim forte) ist ein bewährtes Kombinationspräparat, das jedoch aufgrund steigender Resistenzen seltener verwendet wird.
Typische Symptome umfassen Brennen beim Wasserlassen, häufigen Harndrang, trüben Urin und Schmerzen im Unterbauch. Akute Harnwegsinfekte werden meist 3-7 Tage behandelt, während chronische Verläufe längere Therapiezyklen von 2-4 Wochen erfordern. Bei wiederkehrenden Infekten ist eine urologische Abklärung empfehlenswert.
Vorbeugende Maßnahmen beinhalten ausreichende Flüssigkeitszufuhr, regelmäßiges Wasserlassen und richtige Intimhygiene. Cranberry-Präparate mit Proanthocyanidinen können das Anhaften von Bakterien an der Blasenwand verhindern und somit wiederkehrende Infekte reduzieren.
Harninkontinenz manifestiert sich in unterschiedlichen Formen, die verschiedene Ursachen haben. Die Belastungsinkontinenz tritt bei körperlicher Anstrengung, Husten oder Niesen auf und betrifft häufig Frauen nach Geburten. Dranginkontinenz charakterisiert sich durch plötzlichen, starken Harndrang mit unwillkürlichem Urinverlust. Die Mischinkontinenz kombiniert beide Formen und stellt die komplexeste Variante dar.
Moderne Anticholinergika bieten effektive Behandlungsmöglichkeiten für überaktive Blase und Dranginkontinenz:
Die Dosierung wird individuell angepasst und regelmäßige Kontrollen sind wichtig für den Therapieerfolg.
Beckenbodentraining stärkt gezielt die Muskulatur des Beckenbodens und kann bei Harninkontinenz deutliche Verbesserungen bewirken. Regelmäßige Übungen nach Anleitung helfen, die Kontrolle über die Blasenfunktion zurückzugewinnen. Weitere nicht-medikamentöse Ansätze umfassen Blasentraining, Gewichtsreduktion und die Vermeidung blasenreizender Substanzen wie Koffein und Alkohol. Eine ausreichende, aber nicht übermäßige Flüssigkeitszufuhr unterstützt die Therapie.
Moderne Inkontinenz-Produkte bieten diskreten Schutz und ermöglichen einen unbeschwerten Alltag. Von Einlagen über Pants bis hin zu aufsaugenden Vorlagen stehen verschiedene Lösungen zur Verfügung. Hautpflegeprodukte speziell für inkontinente Personen schützen vor Hautirritationen und bewahren die natürliche Hautbarriere.
Harnsteine entstehen durch die Kristallisation gelöster Substanzen im Urin. Die häufigsten Arten sind:
Risikofaktoren sind unzureichende Trinkmenge, einseitige Ernährung, Stoffwechselstörungen und genetische Veranlagung.
Die medikamentöse Steinauflösung ist bei bestimmten Steinarten möglich. Allopurinol reduziert die Harnsäureproduktion und kann Harnsäure-Steine auflösen sowie deren Neubildung verhindern. Kaliumcitrat-Präparate alkalisieren den Urin und fördern die Auflösung von Harnsäure- und Zystin-Steinen. Die Therapie erfordert regelmäßige Kontrollen des Urin-pH-Werts und der Nierenfunktion. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von mindestens 2,5 Litern täglich unterstützt den Behandlungserfolg.
Nierenkoliken verursachen starke krampfartige Schmerzen, die einer sofortigen Therapie bedürfen. Metamizol wirkt stark schmerzlindernd und krampflösend. Diclofenac als nichtsteroidales Antirheumatikum reduziert Entzündungen und Schmerzen effektiv. Buscopan entspannt die glatte Muskulatur der Harnwege und lindert Krämpfe. Die Kombination verschiedener Wirkstoffe kann bei schweren Koliken notwendig sein.
Eine ausgewogene Ernährung mit wenig Salz und ausreichend Flüssigkeit (2-3 Liter täglich) unterstützt die Nierenfunktion und beugt Harnwegsinfekten vor. Cranberry-Präparate und probiotische Lebensmittel können zusätzlich das Immunsystem des Harntrakts stärken und wiederkehrende Infektionen verhindern.
Die benigne Prostatahyperplasie betrifft etwa die Hälfte aller Männer über 50 Jahre. Typische Symptome sind schwacher Harnstrahl, häufiger nächtlicher Harndrang, Restharngefühl und verzögerter Miktionsbeginn. Die vergrößerte Prostata drückt auf die Harnröhre und erschwert die vollständige Blasenentleerung, was unbehandelt zu Harnverhalt oder Blasenentzündungen führen kann.
Alpha-Blocker entspannen die glatten Muskelfasern in Prostata und Blasenhals, wodurch der Harnfluss verbessert wird. Tamsulosin ist besonders prostataspezifisch und verursacht weniger Blutdruckabfall. Häufige Nebenwirkungen sind:
Diese Wirkstoffe blockieren die Umwandlung von Testosteron zu Dihydrotestosteron und reduzieren langfristig das Prostatavolumen um etwa 20-25%. Die Wirkung setzt erst nach 3-6 Monaten ein. Mögliche Nebenwirkungen sind verminderte Libido, erektile Dysfunktion und reduzierte Ejakulatmenge.
Sägepalmen-Extrakte (Serenoa repens) und Kürbiskern-Öl werden traditionell bei Prostatabeschwerden eingesetzt. Studien zeigen moderate Verbesserungen der Symptomatik, jedoch ist die Evidenz begrenzt. Sie gelten als gut verträglich und können bei milden Beschwerden eine Alternative darstellen.
Die chronische Nierenerkrankung wird in fünf Stadien eingeteilt, basierend auf der glomerulären Filtrationsrate. Frühe Stadien erfordern Blutdruckkontrolle und Proteinurie-Reduktion. In fortgeschrittenen Stadien sind Phosphat-Kontrolle, Anämie-Behandlung und Vorbereitung auf Nierenersatztherapie wichtig.
Diese Medikamente reduzieren den Druck in den Nierenkapillaren und verlangsamen das Fortschreiten der Nierenerkrankung. Ramipril und andere ACE-Hemmer können Reizhusten verursachen, während AT1-Antagonisten wie Losartan besser verträglich sind. Regelmäßige Kontrollen von Kalium und Kreatinin sind erforderlich.
Bei eingeschränkter Nierenfunktion akkumuliert Phosphat im Blut, was zu Knochenschwäche führt. Phosphatbinder wie Calciumcarbonat oder Sevelamer reduzieren die Phosphataufnahme. Aktives Vitamin D (Calcitriol) oder Vitamin-D-Analoga regulieren den Calcium-Phosphat-Stoffwechsel.